Menü
Sie befinden sich hier: Home

Veranstaltungskaufleute an der Reuterschule erkunden Weinbergbunker

Lost place in Kasseler Südstadt

Er diente als Lager für Bier und Eis, bot im Zweiten Weltkrieg Schutz bei Bombenangriffen auf Kassel und wurde in den 90ern für eine illegale Techno-Party missbraucht. Der aus dem 18. Jahrhundert stammende Bunker im Weinberg beeindruckte die angehenden Veranstaltungs­kaufleute an der Reuterschule, die sich von Thomas Schmidt vom Feuerwehrverein Kassel  e. V. durch das 2,6 km lange Labyrinth und die Geschichte des Bunkers führen ließen.

Dabei fanden die Zeitzeugenberichte, anhand derer Thomas Schmidt die schwer vorstellbare Situation während des Zweiten Weltkrieges und in der Bombennacht 1943 schilderte und die Funksprüche und Bombenwarnungen, die er live einspielte, das besondere Interesse der Aus­zubildenden und ihrer Fachlehrer Carina Hinzmann, Stefan Schröder und Max-Ulrich Ehrhardt.

Ausgestattet mit einer Funkzentrale, einer Krankenstation sowie Belüftung, Heizung und sani­tären Anlagen suchten in den dunkelsten Tagen Kassels ca. 10.000 Menschen hier Schutz unter der Erde.

Nach dem Krieg geriet das Bunkersystem allerdings in Vergessenheit, bis im Jahr 1992 in einem Stollenabschnitt eine illegale Technoparty organisiert wurde. Patienten des Marienkran­kenhauses wurden auf den ungewöhnli­chen Lärm aufmerksam, der aus dem Bun­ker unterhalb des Krankenhauses drang, und alarmierten Feuerwehr und Polizei. Da sich die Partygänger im La­byrinth der Stollengänge hoffnungslos verirrten und der Sauerstoff knapp wurde, hätte diese verantwortungslose Aktion viele fast das Leben gekostet.

Zuletzt wurde im Jahr 2012 ein kleiner Bereich des Bunkers für die documenta 13 als Ausstellungsort genutzt.

Dank des Engagements des Feuer­wehrvereins Kassel e.V. konnten die Berufsschülerinnen und -schüler in der eineinhalbstündigen Führung an die­sem „lost place“ in der Kasseler Süd­stadt Zeitgeschichte intensiv erleben.

Auch wenn die von der Atmosphäre die­ses Ortes inspirierten Veranstaltungs­kaufleute am Ende ausgefallene Ideen für Events in den Kalksteinfelsen des Weinbergs entwickelten, bleibt die Bun­keranlage weiterhin nur für Führungen offen.                  

Veranstaltungskaufleute (Klasse 11 VERA) sowie die Fachlehrer C. Hinzmann, St. Schröder u. M.-U. Ehrhardt.